Buchstaben im Advent – Eine Kindergartenweihnachtsgeschichte

 

Kerzenschein und Glühweinduft, Tannenbaum und Weihnachtslieder, Lichterglanz und Kinderfreuden … Ach, ich liebe die Vorweihnachtszeit. Auch das Schenken gehört jedes Jahr aufs Neue mit dazu. Manchmal kann es stressig sein, Geschenke zu besorgen und eine richtig gute Geschenkidee für seine Lieben zu finden.


Wie wäre es dieses Jahr mal mit einer Geschichte zum Verschenken?  Ich habe genau das gemacht. Diese Weihnachtsgeschichte habe ich dem Kindergarten meines Sohnes geschenkt. Sie ist ein Teil eines Adventkalenders, der von den Eltern gestaltet wurde. Vielleicht eine Inspiration – gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit – auch mal selbst kreativ zu werden?  Viel Spaß dabei!


Buchstäblich, eure Kristin.


(Selbstverständlich sind alle Namen verändert und Figuren soweit anonymisiert, dass kein Rückschluss auf reale Personen möglich ist – außer beim Weihnachtsmann.)

 

Image by Alexas_Fotos from Pixabay
Image by Alexas_Fotos from Pixabay

Der Weihnachtsmann ohne Mütze


Heute ist ein besonderer Tag im Kindergarten Kunterbunt. Der Weihnachtsmann hat sich angekündigt. Er will die Sternengruppe besuchen. Alle Kinder sind schon sehr aufgeregt. Sie sitzen im Morgenkreis und können es kaum erwarten, wann denn endlich der Weihnachtsmann kommt. Frau Reiter, die Kindergärtnerin, will gerade mit der Anwesenheitskontrolle beginnen. Aber halt, da fehlt doch noch jemand. Frau Funke, die zweite Erzieherin in der Gruppe, ist noch nicht da. Alle wundern sich sehr, denn Frau Funke ist noch nie zu spät gekommen.


Plötzlich wird die Tür aufgestoßen. Frau Funke stolpert herein. In der Hand hält sie eine rote, lange Mütze mit einer weißen Bommel und einem weichen Fellsaum. „Seht mal, was ich gefunden habe.“, sagt sie völlig außer Atem. „Das ist die Weihnachtsmannmütze. Ich habe sie unten an der Bushaltestelle gefunden. Da lag sie im Gebüsch. Der Weihnachtsmann muss sie verloren haben.“


„Was machen wir damit?“, fragt Emil. „Wir müssen dem Weihnachtsmann helfen, seine Mütze wieder zu finden. Bestimmt sucht er sie schon.“
Otto springt auf. „Ich habe eine Idee.“, sagt er. „Wir können die Mütze ins Fenster bei der Sonnenggruppe hängen. Da kann der Weihnachtsmann sie gleich sehen, wenn er unten auf der Straße vorbei geht.“

„Das ist eine gute Idee, Otto.“, sagt Frau Reiter. Sie bringen die Mütze zur Sonnengruppe und erklären was passiert ist. Frau Funke hängt die Mütze ins Fenster.


Nun warten alle Kinder gespannt auf den Weihnachtsmann. Um sich die Zeit zu vertreiben, spielen die Kinder der Sternengruppe in ihrem Zimmer.
Julia und Abdi wollen eine so große Zugstrecke bauen, dass der Weihnachtsmann staunen wird. Aber als sie fertig sind und die Zugstrecke so lang ist, wie noch niemals zuvor, ist der Weihnachtsmann immer noch nicht da.
Annika und Marvin wollen ein besonders schönes Bild für den Weihnachtsmann malen. Aber als sie fertig sind und einen großen grünen Tannenbaum mit bunten Kugeln und roten Kerzen gemalt haben, ist der Weihnachtsmann immer noch nicht da.
Lina und Igor wollen einen riesigen Turm aus Bauklötzen bauen, um den Weihnachtsmann zu beeindrucken. Aber als sie fertig sind und der Turm noch größer ist als sie selbst, ist der Weihnachtsmann immer noch nicht da.


Die Spielzeit ist vorbei. Alle Kinder geben sich beim Aufräumen ganz besonders viel Mühe. Es soll richtig ordentlich sein, wenn der Weihnachtsmann endlich kommt.
Mittags gibt es das Lieblingsessen aller Kinder: Nudeln mit Tomatensoße und zum Nachtisch Schokoladenpudding. Aber die Kinder können es heute gar nicht richtig genießen. Immer wieder denken sie an die Weihnachtsmannmütze, die im Fenster der Sonnengruppe hängt.
Und auch beim Mittagsschlaf sind alle sehr unruhig. Sie können nicht gut schlafen, weil sie nicht verpassen wollen, wenn der Weihnachtsmann endlich kommt.


Nachmittags ist Emilia die erste, die von ihrer Mama abgeholt wird. Aber sie will noch nicht mit nach Hause gehen. Sie sagt: „Mama wir müssen noch bleiben und auf den Weihnachtsmann warten. Er hat seine Mütze verloren. Und er wollte uns doch heute noch besuchen.“ Emilias Mama ist erst nicht einverstanden. Aber schließlich willigt sie ein: „Okay. Wir bleiben noch kurz. Aber nicht mehr lange.“
Als nächstes kommt Pedros Papa, um ihn abzuholen. Auch er kann seinen Papa überreden, noch etwas zu bleiben und auf den Weihnachtsmann zu warten. So machen das alle Kinder und schließlich sitzt die gesamte Sternengruppe mit ihren Eltern im Kreis. Sie singen Weihnachtslieder und Frau Funke spielt dazu mit ihrer Gitarre. Frau Obermaier, die Küchenhilfe, hat sogar noch ein paar Plätzchen gebracht, die alle genüsslich verspeisen. Es ist eine richtig gemütliche Runde.


Draußen ist es schon dunkel, als die Tür geöffnet wird und Frau Anton den Kopf herein steckt. Sie leitet den Kindergarten und  will endlich die Türen zusperren. „Wollt ihr nicht nach Hause gehen? Es ist schon so spät. Und ihr seid die letzten hier im Haus. Der Weihnachtsmann kommt heute bestimmt nicht mehr.“
Die Eltern nicken und stehen auf. Langsam packen alle ihre Sachen zusammen und räumen auf.


Doch was ist das? Wer kommt denn da mit langsamen, schweren Schritten die Treppe hoch? Ist das etwa …? Tatsächlich! Der Weihnachtsmann ist da!
„Da ist er ja endlich.“, ruft Hermine und klatscht in die Hände. „Aber was hast du denn da auf dem Kopf, lieber Weihnachtsmann?“ Alle Kinder lachen. Der Weihnachtsmann hat eine verbeulte, grüne Wollmütze mit drei blauen Bommeln auf dem Kopf.


„Liebe Kinder, es tut mir leid, dass ihr so lange auf mich warten musstet.“, sagt der Weihnachtsmann. „Mir ist ein schreckliches Missgeschick passiert. Ich habe meine Mütze verloren und sie den ganzen Tag gesucht. Aber ich konnte sie nirgends finden. Meine Ohren waren schon ganz kalt. Und da habe ich nichts Besseres gefunden, als diese alte Wollmütze.“
„Wir haben deine Mütze gefunden. Komm mit!“, ruft Jan und flitzt rüber zur Sonnengruppe. Da hängt die Mütze im Fenster, wo Frau Funke sie am Morgen aufgehängt hatte.


Der Weihnachtsmann strahlt übers ganze Gesicht. „Ich habe sie schon von unten gesehen, als ich die Straße entlangging. Endlich konnte ich aufhören zu suchen.“ Er holt die rote, lange Mütze mit der weißen Bommel und dem weichen Fellsaum aus dem Fenster und setzt sie wieder auf seinen Kopf. „Sitzt wie angegossen.“, sagt er fröhlich. „Und nun liebe Kinder, weil ihr mir so toll geholfen habt und weil ihr so lange auf mich gewartet habt, wollen wir mal in meinem großen Sack schauen, ob da etwas Schönes für euch drin ist.“

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